Spezielle Entsorgung für Handwerksbetriebe – Wie SHK-Profis, Maler und Dachdecker ihre Abfälle einfach und rechtssicher loswerden

von Daniel Sacht

Vor knapp 10 Jahren war die Gewerbeabfallverordnung (GewAbfV) gerade das heißeste Thema in der Entsorgungs-Branche. Gewerbetreibende erhielten Schreiben, in denen Strafen von 20.000 Euro angekündigt wurden. Die Kunden waren aufgeschreckt. Viele dachten: „Morgen steht das Ordnungsamt vor der Tür und prüft, ob wir die Pappe ordentlich getrennt haben!“ So dramatisch war es dann doch nicht, aber das Thema Abfalltrennung und Dokumentation ist seitdem bei jedem Handwerksbetrieb angekommen. In meinem Artikel beschreibe ich, was Abfallentsorgung für Handwerksbetriebe heute bedeutet, in welchen Bereichen die häufigsten Fehler passieren und wie man mit der richtigen Strategie sogar Geld verdienen kann.

Was die Gewerbeabfallverordnung von Handwerkern verlangt – und was wir daraus gemacht haben

Die GewAbfV (Gewerbeabfallverordnung) verpflichtet jeden Gewerbetreibenden, seine Abfälle bestmöglich im Rahmen seiner Möglichkeiten zu trennen. Im Rahmen seiner Möglichkeiten hat mehrere Bedeutungen. Da geht es zum Beispiel um Mengen. Wer eine Glasflasche im Monat wegwirft, braucht keinen Glascontainer. Aber wer regelmäßig Holz, Folie, Kartonagen und Bauschutt produziert, muss die Fraktionen voneinander trennen. Früher durften diese Materialien in einem Container entsorgt werden. Das ist vorbei.

Gleichzeitig mit der GewAbfV sind digitale Lösungen für Handwerksbetriebe entstanden wie beispielsweise das Online-Portal DÖRNER GO. Dieses Portal arbeitet mit dem Ampelprinzip: Jedes Mal, wenn ein Kunde eine Fraktion trennt, springt die Ampel auf Grün. Trennt er nicht, bleibt sie Gelb. So sieht jeder Betrieb auf einen Blick, ob er die GewAbfV erfüllt. Die Dokumentation läuft automatisch mit. Der Kunde muss sich nicht selbst darum kümmern. Bestellen kann er wie bei einem Online-Shop: einloggen, Container ordern, am nächsten Tag steht er da. Kein Anruf, keine Wartezeit.

Wer trennt, verdient – warum Sortieren sich für Handwerker lohnt

Viele Handwerker denken bei Entsorgung zuerst an Kosten. Aber wer seine Abfälle sortiert, kann an bestimmten Fraktionen sogar verdienen. Kartonagen bringen bei sauberer Trennung eine Vergütung statt Entsorgungskosten.

Noch ein Beispiel aus der Praxis: Wir schauen uns mit unseren Kunden regelmäßig die Abfallbilanz an. Ein Tortendiagramm zeigt, wie viel von welcher Fraktion im Jahr angefallen ist. Wenn ein Kunde sieht, dass sein Gewerbeabfall-Anteil gestiegen ist, gehen wir gemeinsam die Kamerabilder seines Mülls durch. Oft zeigt sich: Da stecken Kartonagen oder Folie drin, die man hätte trennen können.

Weniger Gewerbeabfall heißt weniger Kosten pro Tonne und die getrennte Kartonage bringt sogar Erlös.

Was viele Kunden überrascht: Professionelle Entsorger verbrennen nicht. Sie schicken Abfälle in die Vorbehandlungsanlage und sortieren sie wird dort. Folie wird wieder zu Folie, Holz wird zu Pellets, Kartonage kommt zurück in den Kreislauf. So können bis zu 85 Prozent der Abfälle verwertet werden. Nur der Rest, also Material ohne Wertschöpfung, geht in die thermische Behandlung. Wenn Handwerksbetriebe von diesen Zusammenhängen erfahren, ändert sich häufig ihre Einstellung zur Entsorgung. Große Konzerne haben inzwischen eigene Nachhaltigkeitsabteilungen, die sich die Abfallbilanzen anschauen und mit den Entsorgungsunternehmen gemeinsam Optimierungspotenziale suchen. Auch kleinere Betriebe fragen sich mittlerweile: Was können wir besser machen?

Recyclinghof statt Container – die Lösung für Kleinmengen

Nicht jeder Handwerksbetrieb braucht einen Container. Wer auf einer Etage arbeitet oder in einer engen Straße ohne Stellplatz, der hat schlicht keinen Platz dafür. Für solche Fälle sind Recyclinghöfe die bessere Lösung. Der Handwerker fährt mit dem Pritschenwagen zum Hof, lädt ab und fährt weiter. Keine Stellgenehmigung, keine Halteverbotszone, kein Warten auf den LKW.

Eine weitere Alternative für enge Baustellen ist der Hamburger Sack – ein Ein-Kubikmeter-Big Bag, das mit einem Kranwagen abgeholt wird. Im Unterschied zum Container gibt es beim Sack eine Duldung für kurzzeitiges Aufstellen auf öffentlichem Grund. Wer zehn Kubikmeter Baumischabfall hat, stellt sich eben zehn Säcke hin. Das ist nicht elegant, aber es funktioniert.

Sonderabfall im Handwerk – Dispersionsfarbe, Dachpappe und Mineralwolle

Sonderabfälle entstehen im Handwerk häufiger, als viele denken. Ein Klassiker ist die Dispersionsfarbe. Sie im Baumarkt zu kaufen oder beim Großhandel ist schnell erledigt. Aber wenn der Eimer entsorgt werden soll und noch voll ist, beginnt ein eigenes Verfahren. Volle Farbeimer gelten als gefährlicher Abfall. Er muss in speziellen Behältern transportiert werden, mit Begleitpapieren und als ADR-Transport, also durch einen Fahrer mit Gefahrgutschein. Ausgehhärtete, leere Eimer sind dagegen unproblematisch. Diese Unterscheidung kennen viele Handwerker nicht.

Beim Dachdecker ist es die Lage ähnlich. Fest steht: Teerhaltige Dachpappe ist Sondermüll. Meldet ein Kunde zwei Kubikmeter an, ist das kein Problem. Sind es aber 60 Kubikmeter müssen Entsorgungsnachweise erstellt werden. Die Entsorgung verzögert sich.  Deshalb ist das Wissen um Sonderabfälle und eine korrekte Mengenangabe so wichtig für Entsorgungsunternehmen.

Mineralwolle und Asbest dürfen nicht vom Handwerksbetrieb selbst beim Entsorger angeliefert werden. Diese Materialien müssen luftdicht verpackt sein, mit Begleitpapieren versehen und von einem Sonderabfall-Transporteur abgeholt werden. Spezialisten gibt es in Norddeutschland. Sie übernehmen die Deklaration, die Verpackungsanweisungen und die Nachweisführung. Der Handwerksbetrieb muss nur wissen, welche Art von Abfall er hat und am besten Fotos erstellen.

Umdeklaration – wenn der Azubi den Farbeimer in die Kartonage wirft

Ein Betrieb hat Wärmepumpen ausgepackt und eine Menge saubere Pappe als Abfall produziert. Er bestellt einen Container für Kartonagen und könnte dafür sogar Geld bekommen. Dann wirft sein Auszubildender einen Farbeimer und etwas Metall mit hinein. Die Anlage, die saubere Kartonage erwartet, stellt Fremdstoffe fest. Der Container wird umdeklariert und der Kunde zahlt den höheren Preis für gemischten Abfall, statt eine Vergütung zu erhalten. Das geschieht in der Praxis regelmäßig. Zeitdruck und Aushilfen sorgen immer noch für solche Fehlwürfe.

Mein Fazit

Handwerksbetriebe brauchen keinen Entsorgungsspezialisten im eigenen Haus. Aber sie brauchen einen Partner, der ihnen die Arbeit abnimmt. Es ist eine komplexe Aufgabe immer die Gewerbeabfallverordnung im Blick zu haben, die Dokumentation zu gewährleisten, die richtigen Container auszuwählen und an eine Sondermüll-Entsorgung zu denken. Wer alles aus einer Hand bekommt, spart Zeit, Nerven und am Ende auch Geld. Schließlich geht es nicht darum, ob ein Containerdienst einen Euro teurer ist als ein anderer. Für Handwerksbetriebe zählt mehr, ob sie Zeit in verrechenbare Leistungen für ihre Kunden investieren oder in die Organisation von Abfall. Entsorgungsunternehmen sind die, die sich fachgerecht um den Abfall kümmern und dafür sorgen, dass alles funktioniert.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Jeder Gewerbetreibende muss seine Abfälle im Rahmen dessen, was technisch und wirtschaftlich zumutbar ist, bestmöglich trennen. Die Trennung muss dokumentiert werden.

Für Kleinmengen, also einen Pritschenwagen voll oder weniger, ist der Recyclinghof oft die günstigere und schnellere Lösung. Ab etwa drei Kubikmetern oder bei regelmäßiger Abfallentsorgung lohnt sich ein Container auf der Baustelle oder im Betrieb.

Wenn ein Container für eine bestimmte Fraktion bestellt wurde, aber Fremdstoffe enthalten sind, wird der Inhalt neu eingestuft. Entsorgung ist dann teurer als die ursprünglich bestellte Fraktion.

Das ist ein Ein-Kubikmeter-Sack, der auf engen Baustellen als Alternative zum Container dient. Er wird mit einem Kranwagen abgeholt.

Ja. Saubere Kartonagen und Kupfer bringen eine Vergütung. Auch Metall aus dem Heizungsausbau kann gesammelt vergütet werden. Voraussetzung: saubere Trennung und keine Fremdstoffe.

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