Sekundärrohstoffe aus Holz, Schrott und Kunststoff: Wie Verwertung Kosten spart und Ressourcen schont
von Cora Sapieha
Seit 35 Jahren verantworte ich die stoffliche Verwertung von Altholz, Metallschrott und Kunststoffabfällen. Zusammen bewegen wir jedes Jahr weit über 140.000 Tonnen, die als Sekundärrohstoffe zurück in die Produktion gehen. Was diese Rohstoffe ausmacht, wo Recycling wirtschaftlich funktioniert und wie Erzeuger die Verwertungsquote der Abfälle steigern, erkläre ich in diesem Beitrag.

Was Sekundärrohstoffe von Primärrohstoffen unterscheidet
Der Begriff Sekundärrohstoff wird häufig unscharf verwendet. In der Praxis der Kreislaufwirtschaft ist die Definition aber klar: Ein Sekundärrohstoff ersetzt einen echten Primärrohstoff und muss in der Produktion einsetzbar sein. Wird das Material dagegen thermisch verwertet, ist es ein Ersatzbrennstoff und kein Sekundärrohstoff. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie die Verwertungsentscheidung strukturiert.
Der wirtschaftliche Unterschied zwischen Primär- und Sekundärrohstoff
Ein Sekundärrohstoff ist in der Regel günstiger als sein Primärrohstoff. Sekundärholz für die Spanplattenindustrie erzielt zwar niedrigere Preise als Primärholz aus dem Wald, für Erzeuger ist es aber trotzdem der wirtschaftlich sinnvollste Weg. Primärholz muss zusätzlich getrocknet und aufbereitet werden. Die Marktpreise sind marktabhängig und werden bei uns monatlich neu verhandelt. In der Coronazeit lagen die Preise für stoffliches Holz sehr hoch, weil die Möbelbranche stark nachfragte. Bei aktueller Konjunkturschwäche geben die Preise wieder nach. Diese Volatilität ist Alltag im Stoffstrom und einer der Gründe, warum eine spezialisierte Vermarktung nötig ist.
Altholz richtig verwerten: von der A-1-bis-A-4-Klassifizierung zur Spanplatte
Altholz ist mit rund 100.000 bis 115.000 Tonnen pro Jahr unser mengenmäßig größter Sekundärrohstoffstrom im Bereich der nichtmineralischen Fraktionen. Die stoffliche Verwertung ist rechtlich durch die Altholzverordnung geregelt, die bundesweit einheitlich gilt. Sie legt vier Altholzklassen fest, deren Einstufung sich an der Herkunft und Behandlung des Holzes orientiert. Die folgende Tabelle zeigt die Klassen im Überblick:
| Klasse | Merkmale | Typische Beispiele | Verwertungsweg |
| A I | Naturbelassenes, unbehandeltes Holz | Paletten, Obstkisten, Kabeltrommeln | Spanplatte, MDF |
| A II | Verleimt, gestrichen, lackiert, ohne halogenorganische Stoffe | Möbelhölzer, Küchen, Innentüren | Teilweise Spanplatte |
| A III | Halogenorganische Beschichtung | Fensterholz mit Anstrich | Thermische Verwertung |
| A IV | Mit Holzschutzmitteln behandelt oder besonders belastet | Dachstuhl-Abriss, Gartenzäune, Bahnschwellen | Thermische Verwertung |
Wie aus Altholz eine neue Spanplatte wird
Aus A-I-Holz und teilweise A-II-Holz entstehen in der Spanplatten- und MDF-Industrie neue Werkstoffe für die Möbelherstellung. Wir bereiten das Material dafür in unseren Anlagen mit Schredder und Magnetabscheidern auf und liefern es an spezialisierte Werke. Die Recyclingquote in der Platte selbst hat sich in den letzten Jahren erhöht: Wo früher rund 30 Prozent Altholzanteil in einer Standardplatte üblich waren, sind es heute bis zu 40 Prozent. Für die Vergabe auf Ihrer Baustelle bedeutet das: A-I-Holz wie neuwertige Paletten oder Kabeltrommeln sortieren wir nicht als Restmaterial aus, sondern es geht direkt in die stoffliche Verwertung.
Altmetall-Entsorgung mit Wertstoffrückgewinnung
Metallschrott ist mit rund 30.000 bis 40.000 Tonnen pro Jahr unser zweitgrößter Sekundärrohstoffstrom im nichtmineralischen Bereich. Ökologisch gesehen hat Schrott den stärksten Hebel: Er wird zu hundert Prozent eingeschmolzen und zu neuem Metall verarbeitet, ohne Qualitätsverlust. Wir verwerten sowohl Eisenschrott (FE) als auch Nichteisenmetalle (NE) wie Aluminium, V2A-Edelstahl und Kupfer. Die Marktpreise für Schrott und Metalle orientieren sich an den Börsen und schwanken deutlich. Wir verhandeln unsere Abnahmepreise deshalb monatlich neu, bei besonders hochwertigen Sonderfraktionen auch zwischendurch.
Wie unsere Sortieranlagen Metalle automatisch trennen
In unseren beiden großen Sortieranlagen in Hamburg holen Abscheider die Metalle automatisch aus dem Materialstrom. Magnetabscheider ziehen das Eisen heraus. NE-Abscheider trennen Nichteisenmetalle wie Aluminium ab. Aluminium spielt eine wichtige Rolle beim Altholzstrom, weil viele Fenster und Türen Aluminiumbeschläge enthalten. Aluminium hat aktuell einen hohen Marktwert, und die thermischen Verwertungsanlagen wollen es ohnehin nicht in ihrem Einsatzstoff haben. Nach der automatisierten Vorabscheidung erfolgt eine manuelle Feinsortierung am Band. Wir beliefern anschließend spezialisierte Schrotthändler, die die Fraktionen für ihre Endabnehmer nochmals aufbereiten. Die Wertschöpfung entlang dieser Kette macht Metallverwertung wirtschaftlich besonders attraktiv.
Kunststoff-Recycling in der Praxis
Kunststoff ist mengenmäßig unser kleinster Sekundärrohstoffstrom, aber technisch der differenzierteste. In meinem Verantwortungsbereich konzentriert sich das Recycling auf zwei Fraktionen: PVC-Fenster und Kunststoffrohre aus HDPE, PE und PVC. Beide Fraktionen werden zu hundert Prozent in geschlossenen Kreisläufen recycelt. PVC-Fenster werden entglast und anschließend an eine spezialisierte PVC-Recyclinganlage weitergegeben, die daraus neues Fenstermaterial herstellt. Kunststoffrohre gehen an Rohrverwerter, die daraus Regranulat für neue Rohre gewinnen. Gemischte oder verunreinigte Kunststoffe gehen dagegen in die thermische Verwertung.
Mechanisches und chemisches Recycling im Vergleich
Beim mechanischen Recycling wird Kunststoff zerkleinert, geschreddert, abgeschieden und abgesiebt. Moderne Anlagen erkennen Kunststoffarten mit Röntgenstrahlen und trennen sie automatisch. Das ist der Standardweg für PVC-Fenster und Rohre. Chemisches Recycling ist ein anderer Ansatz: Der Kunststoff wird auf molekularer Ebene in seine Ausgangsbausteine zerlegt und daraus neuer Kunststoff hergestellt. In der Branche wird chemisches Recycling viel diskutiert, aktuell gibt es aber in Deutschland kaum großtechnisch etablierte Wege. In unserem Bereich fahren wir ausschließlich mechanische Recyclingprozesse und liefern das Material an Verwerter, die daraus neue Produkte machen.
Wo Sie als Erzeuger den größten Hebel haben
Die Qualität eines Sekundärrohstoffs hängt maßgeblich davon ab, wie sauber der Ausgangsstoff getrennt bei uns ankommt. Wenn Altholzklassen vermischt sind, sinkt der Anteil, der in die stoffliche Verwertung gehen kann. Wenn Kunststoff mit Fremdstoffen verunreinigt ist, geht die Fraktion in die thermische Verwertung statt ins Recycling. Meine drei wichtigsten Empfehlungen an Erzeuger: Trennen Sie Altholzklassen sauber voneinander, halten Sie Schrott sortenrein, und stellen Sie sicher, dass keine Batterien in die Schrottbehälter gelangen.
Warum Batterien in Schrottcontainern zum Risiko werden
Batterien in Schrottcontainern sind das größte Sicherheitsrisiko unserer Branche. Wenn eine beschädigte Lithium-Batterie in unsere Anlage gelangt, kann sie sich entzünden und einen kompletten Anlagenbrand auslösen. Schrottabnehmer nehmen Lieferungen mit Batteriegefahr kaum noch an, weil sie das Risiko nicht mehr tragen wollen. Für Sie als Erzeuger heißt das: Batterien und Akkus gehören ausschließlich in separate Behälter oder in Rücknahmesysteme, niemals in Sperrmüll- oder Schrottcontainer. Wenn Sie unsicher sind, ob eine Lieferung batteriefrei ist, sprechen Sie uns vor der Abholung an. Wir beraten Sie zur Trennung und richten passende Behälterlösungen ein.
Mein Fazit
Sekundärrohstoffe aus Holz, Schrott und Kunststoff sparen Ressourcen und in der Regel auch Kosten. Der entscheidende Punkt liegt aber vor unserer Sortieranlage: Je sauberer Sie als Erzeuger trennen, desto mehr Material geht in die stoffliche Verwertung, desto weniger endet in der thermischen Verwertung und desto niedriger fällt Ihre Entsorgungsrechnung aus. Aus 35 Jahren Branchenerfahrung kann ich nur betonen: Die getrennte Erfassung ist der wichtigste Hebel für echte Kreislaufwirtschaft und für Ihre eigene Wirtschaftlichkeit.
Sie möchten Ihre Verwertungsquote steigern oder wissen, welche Fraktionen sich in Ihrem Betrieb sortenrein erfassen lassen? Sprechen Sie mit unserer Stoffstrom-Beratung. Wir kommen zu Ihnen und richten passende Behälterlösungen ein.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
Ein Sekundärrohstoff ersetzt einen echten Primärrohstoff und ist in der Produktion neuer Produkte einsetzbar. Er entsteht aus recyceltem Material. Wird das Material dagegen thermisch verwertet, spricht man von einem Ersatzbrennstoff, nicht von einem Sekundärrohstoff.
Die Altholzverordnung teilt Holzabfälle in vier Klassen ein. A I ist naturbelassenes Holz wie Paletten. A II umfasst behandeltes Innenholz wie Möbel oder Türen. A III ist beschichtetes Holz mit halogenorganischen Stoffen. A IV umfasst mit Holzschutzmitteln belastete Hölzer wie Dachstühle oder Gartenzäune.
In der Regel bekommen Unternehmen für sortenrein angeliefertes Metall eine Vergütung, weil Metalle einen hohen Marktwert haben. Die Preise orientieren sich an den Börsen und werden bei OTTO DÖRNER monatlich neu verhandelt. Für Altholz ist eine Zuzahlung dagegen üblich, weil Aufbereitung und Transport hohe Kosten verursachen.
PVC-Fenster werden zunächst entglast und ihre Metallbeschläge entfernt. Anschließend geht das PVC an eine spezialisierte Recyclinganlage, die es einschmilzt und zu neuem Fenstermaterial verarbeitet. Der Recyclingkreislauf bei PVC-Fenstern ist geschlossen und zu hundert Prozent stofflich.
Beim mechanischen Recycling wird Kunststoff zerkleinert, sortiert und wieder eingeschmolzen. Beim chemischen Recycling wird der Kunststoff auf molekularer Ebene in seine Ausgangsbausteine zerlegt. Mechanisches Recycling ist heute der Standardweg für PVC-Fenster und Kunststoffrohre. Chemisches Recycling ist noch selten großtechnisch verfügbar.
Beschädigte Batterien, besonders Lithium-Akkus, können sich in Sortieranlagen entzünden und komplette Anlagenbrände auslösen. Schrotthändler nehmen Lieferungen mit Batteriegefahr deshalb oft nicht mehr an. Batterien gehören in separate Behälter oder in Rücknahmesysteme, niemals in Sperrmüll- oder Schrottcontainer.
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