Digitalisierung in der Entsorgung – Vorteile für Kunden, Entsorger und ihr Netzwerk

von Martin Zimmermann

Was Kunden aus dem Privatleben kennen, online bestellen, Lieferstatus verfolgen, Dokumente abrufen, war in der Entsorgungsbranche lange nicht selbstverständlich. Telefon, Fax und E-Mail waren bis vor wenigen Jahren die Standardwege, um einen Container zu bestellen. Dass das nicht mehr zeitgemäß ist, haben wir bei Otto Dörner früh erkannt. In diesem Beitrag erkläre ich, wie die Digitalisierung unsere Branche verändert hat, was unsere Lösungen DÖRNER GO und Container GO leisten und warum daraus ein Netzwerk entstanden ist, von dem alle profitieren.

Der Beginn der Digitalisierung in der Entsorgung mit einem hauseigenen Portal

2014 fiel bei uns die Entscheidung, ein digitales Kundenportal zu entwickeln. Die Triebfeder kam aus dem Unternehmen selbst. Wir wollten unseren Gewerbekunden maximale Transparenz und optimalen Service bieten. Unser Warenwirtschaftssystembetreiber hatte damals nichts Vergleichbares im Portfolio. Also haben wir gesagt: Dann bauen wir es selbst. Gemeinsam mit unserem Technologiepartner Marketools entstand das DÖRNER GO Portal, das 2015 an den Start ging.

Der Fokus damals für uns war: ein B2B-Portal (Business-to-Business) für den Containerdienstbereich bei Otto Dörner entwickeln. Einfach ein gutes Werkzeug für unsere Gewerbekunden. Dass wir als mittelständisches Familienunternehmen mit diesem Standard bereits an der Spitze der Branche standen, war uns damals nicht einmal bewusst.

Was ein Portal für Gewerbekunden leistet

In unserem Portal kann ein Gewerbekunde seine komplette Entsorgung online abwickeln. Er kann Container bestellen, Abholungen und Wechsel beauftragen, den Auftragsstatus verfolgen, Abfallbilanzen ziehen und Kostenübersichten abrufen. Sämtliche Dokumente wie Rechnungen, Wiegescheine und Lieferscheine sind über ein angebundenes Dokumentenmanagementsystem jederzeit verfügbar. Was klein begann ist inzwischen erwachsen geworden. Allein im Jahr 2025 haben unsere Gewerbekunden über 30.000 Dokumente über das Portal abgerufen und über 95.000 digitale Bestellungen aufgegeben.

In der Praxis sieht das so aus: Ein Bauunternehmer sitzt abends um halb acht zu Hause und gibt seine Bestellung für den nächsten Tag auf. Ein Bauleiter mit zehn gleichzeitigen Baustellen überwacht seine Entsorgungskosten in Echtzeit und sieht sofort, ob er im Budget liegt. Für beide entfallen Wartezeiten in der Telefonhotline, Missverständnisse bei der Auftragsaufnahme und das Warten auf Dokumente, die früher per Mail angefordert werden mussten.

Nur, dass es keine Missverständnisse gibt: Digitalisierung ersetzt keine Mitarbeiter. Sie entlastet sie, damit sie sich um die Dinge kümmern können, bei denen persönliche Beratung wirklich zählt.

Im Laufe der Zeit wurde uns auch klar: Ein Portal ist kein Einmalprojekt. Es muss laufend weiterentwickelt werden, es muss intuitiv bedienbar sein, und es muss für die Nutzer so selbstverständlich funktionieren, wie jede andere Onlineanwendung.

Wie aus einer Eigenentwicklung eine Lösung für die ganze Branche wurde

Zweieinhalb Jahre nach dem Start von DÖRNER GO kamen die ersten Anfragen von anderen Entsorgungsunternehmen. Sie hatten von ihren Kunden gehört: „Euer Wettbewerber hat so ein tolles Portal, warum habt ihr das nicht?“ Die Frage, die sich daraus für uns ergab: Wollen wir unsere Technologie mit anderen Unternehmen der Branche teilen? Die Antwort war: Ja. Allerdings unter der Voraussetzung, dass die Partner nicht in unserem Einzugsgebiet tätig sind.

Im November 2017 starteten wir mit Container GO, also DÖRNER GO angepasst für andere Entsorgungsunternehmen. Jeder Partnerentsorger bekam sein eigenes Portal im eigenen Layout, mit eigenen Begrifflichkeiten und angebunden an sein eigenes Warenwirtschaftssystem. Die Daten wurden strikt getrennt und sind es natürlich immer noch. Wir können nicht in die Systeme unserer Partner hineinsehen und umgekehrt. Die Portale laufen auf den Servern unseres Technologiepartners. Insgesamt sind in Deutschland stand heute 31 Partnerportale im Einsatz.

Natürlich haben wir am Anfang oft gehört: „Wenn wir bei einem anderen Entsorger ein Portal kaufen, dann kann der ja unsere Kunden- und Wirtschaftsdaten sehen!“ In über 500 Gesprächen, die ich in den letzten Jahren zum Portal geführt habe, kam diese Frage von fast jedem. Heute können wir auf eine tadellose Bilanz verweisen. Wir haben Schnittstellen zu den meisten relevanten ERP-Systemen (Enterprise-Resource-Planning) der Branche aufgebaut. Die Anbieter dieser Systeme bestätigen, dass die Anbindung sauber funktioniert.

GO-to-GO – Wenn Portale miteinander sprechen

Der eigentliche Quantensprung in der Digitalisierung von Entsorgung kam vor vier Jahren mit einer Funktion, die wir Auftragsweiterleitung nennen. Das Prinzip ist folgendes: Ein Entsorger hat einen Kunden mit bundesweit verteilten Standorten, die er nicht alle selbst bedienen kann. Über die GO-to-GO-Schnittstelle kann er einen Auftrag automatisch an einen Partnerentsorger weiterleiten, der ebenfalls ein GO Portal nutzt. So bleibt ihm der Kunde erhalten, der sich wiederum nicht auf wechselnde Dienstleister einstellen muss.

Die Kommunikation zwischen den Portalen läuft vollautomatisch, unabhängig davon, welches Warenwirtschaftssystem bei wem im Einsatz ist. Ein Beispiel: Ein Kunde möchte seine Standorte bundesweit über einen Ansprechpartner entsorgen lassen. Der Containerauftrag für Berlin wird automatisch an den dortigen Partner übermittelt. Wenn dessen Fahrer den Auftrag startet, erscheint der Status sofort im Portal des auftraggebenden Entsorgers. Kein Telefonat, kein Fax, keine manuelle Doppelerfassung.

Das ist der Punkt, an dem aus einer Portallösung ein echtes Netzwerk geworden ist. 31 Partner, Schnittstellen zu den meisten ERP-Systemen der Branche und eine automatisierte Auftragskommunikation zwischen den Portalen. Seit anderthalb Jahren gewinnt dieses Thema massiv an Bedeutung. Immer mehr Entsorgungsunternehmen wollen ihre Prozesse digitalisieren, manuelle Aufwände reduzieren und Fehlerquellen ausschalten.

Schüttgut und Baustoffe – Die nächste Baustelle der Digitalisierung

Neben der Entsorgung bieten wir auch für den Bereich Schüttgut und Baustoffe ein digitales Portal an. Die Erkenntnis dahinter: Auf der Baustelle braucht man beides: Material anliefern und Abfall abtransportieren. Dabei haben wir festgestellt: Der Schüttgutbereich ist noch weniger digitalisiert als die Entsorgung. Geschätzt 20 Prozent der Firmen, die wir angesprochen haben, arbeiten nicht einmal mit einem Warenwirtschaftssystem, sondern mit Excel-Tabellen. Die Bereitschaft zu investieren ist dort oft gering, weil viele Unternehmen regional so stark aufgestellt sind, dass sie keinen Wettbewerbsdruck spüren. Aber der Bereich Schüttgut und Baustoffe wird in den nächsten Jahren nicht um Digitalisierung herumkommen.

Fazit

Inzwischen haben wir ein Netzwerk aus 31 Partnerportalen aufgebaut, eine automatisierte Auftragskommunikation zwischen Entsorgern und eine Plattform, die laufend weiterentwickelt wird. Was als internes Projekt begann, ist zu einer Lösung für die gesamte Branche geworden. Der Schlüssel war, dass wir eben diesen unüblichen Schritt für ein mittelständisches Unternehmen gegangen sind: Wir haben geteilt, was wir gebaut haben. Und davon profitieren heute alle.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

DÖRNER GO ist das B2B-Kundenportal von Otto Dörner für Gewerbekunden. Container GO ist die White-Label-Lösung, mit der andere Entsorgungsunternehmen ein eigenes Portal im eigenen Design aufbauen können angebunden an ihr eigenes Warenwirtschaftssystem.

Nein. Die Partnerportale laufen auf den Servern des Technologiepartners Marketools. Die Daten sind strikt getrennt. Otto Dörner hat keinen Zugriff auf die Kundendaten anderer Entsorger.

GO-to-GO ist die automatisierte Auftragsweiterleitung zwischen GO Portalen verschiedener Entsorger. Wenn ein Entsorger einen Auftrag nicht selbst ausführen kann, wird er automatisch an einen Partner im seinem Netzwerk übermittelt. Statusinformationen fließen in Echtzeit zurück.

Nein. Die technische Umsetzung und die Anbindung an das Warenwirtschaftssystem übernimmt das GO-Team. Es bestehen bereits Schnittstellen zu den meisten relevanten ERP-Systemen der Branche.

Im Jahr 2025 wurden über 95.000 digitale Bestellungen über das DÖRNER GO Portal aufgegeben. Hinzu kommen über 30.000 Dokumentenabrufe pro Jahr durch Gewerbekunden.

DÖRNER GO ist ein B2B-Portal für Gewerbekunden. Privatkunden können den DÖRNER Shop nutzen, um direkt online Container zu bestellen und zu bezahlen.